Isabella Braun ist am 12. Dezember 1815 im Schloss in Jettingen, einem Marktflecken zwischen Ulm und Augsburg gelegen, als Tochter des Rentamtmanns des Grafen Stauffenberg geboren. Das Schloss war längere Zeit unbewohnt und in schlechtem Zustand, da die gräfliche Familie auf Schloss Rißtissen bei Ehingen lebte. Erst kurz vor Isabellas Geburt war im ersten Stock des Schlosses eine Wohnung für die Familie des Rentamtmanns Braun hergerichtet worden. Ihr Vater stammte aus der Gegend um Dinkelscherben, ihre Mutter war die Tochter des gräflich-fuggerischen Rentamtmanns Mercklin in Weißenhorn.  

Isabellas Jugendzeit verlief glücklich. Die Brauns gehörten zu den angesehensten Familien Jettingens. Sie hatte treusorgende und liebevolle Eltern und das Schloss mit seinen weitläufigen Anlagen, dem großen Park und Garten, umgeben von Wiesen und Feldern, bot die schönsten Möglichkeiten für die Kinder. Doch die friedliche Idylle währte nur 12 Jahre, im Frühjahr 1827 starb Isabellas Vater, der Rentamtmann Bernhard Braun an einem Blutsturz. Schon im Herbst des Jahres zog die Witwe mit ihren drei Kindern nach Augsburg, um ihnen bessere Ausbildungsmöglichkeiten bieten zu können. 

 

Isabella Braun
Jettingen zur Zeit der Jugend von Isabella Braun. Auf dem Ortsplan sieht man in der Südwestecke des Ortes das große Schloss mit seinen ausgedehnten Vorgebäuden. Nach Süden und Westen ist es frei den Wiesen und Feldern des weiten Mindeltales zugewandt.

Die Verwaltungs- und insbesondere die Bildungssituation waren im Bayern der ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts schwierig. Die unter dem Druck Napoleons vollzogene territoriale Neuordnung Deutschlands zog sich nach dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 bis weit über den Wiener Kongress hinaus in die 1820 Jahre hin. Fläche und Bevölkerungszahl Bayerns waren extrem gewachsen und es war kaum leistbar in kurzer Zeit im neuen Staat eine einheitliche, leistungsfähige Verwaltung aufzubauen. Der erste bayerische König Max I Joseph mit seinem Minister Montgelas leisteten hier fast Übermenschliches. Besondere Probleme bereitete es auch, dass fast alle Klöster aufgelöst worden waren, die bislang die Hauptlast der Erziehung, Ausbildung und Pflege in Bayern trugen.

Isabella und später auch ihre jüngere Schwester Sophia besuchten das erst 1811 eingerichtete Institut der Englischen Fräulein. Am Ende ihrer Schulzeit entschied sich Isabella selbst Lehrerin zu werden und trat 1835 in die erst 1828 gegründete Lehrerinnenbildungsanstalt der Dominikanerinnen im Kloster St. Ursula ein. Nur mit Hilfe von großzügigen Unterstützern konnte sie diese Ausbildung absolvieren, denn ihre Familie hatte sich, nachdem ihr Bruder Anton 1833 gestorben war, zerstreut. Nach diesem Schicksalsschlag war ihre Mutter mit ihrer Schwester Sophia nach Mitteldeutschland verzogen und dort in die Herrenhuter Brüdergemeinde eingetreten. Isabella verblieb völlig allein in Augsburg zurück. Ihre Mutter blieb bis zu ihrem Tod 1865 bei der Herrenhuter Gemeinde, Sophia kehrte nach einigen Jahren wieder nach Süddeutschland zurück, da sie die Gemeinschaft verlassen musste.

Widmung von Isabella Braun aus dem Jahr 1862 in einem ihrer Bücher

1836 schloss sie die Ausbildung ab und konnte schon im folgenden Jahr in Neuburg a. d. Donau ihre erste Stelle als Lehrverweserin antreten, endgültig abgeschlossen war die Ausbildung mit der dritten Anstellungsprüfung 1841. Isabella hatte eine sie erfüllende Betätigung gefunden und war in der Stadtgesellschaft gur integriert. Doch die Zeit wiederholter Umorganisationen war in Bayern noch nicht vorbei, insbesondere nachdem sich unter König Ludwig I. eine zunehmende Rekatholisierung vollzog. 1847 wurde die Leitung der Schule an die Augsburger Englischen Fräulein übergeben, die weltlichen Lehrerinnen wurden entlassen, unter ihnen die erst 32 Jahre alte Isabella Braun. Da die ausgesetzte Pension nicht zum Leben reichte, musste sie sich nach einer neuen Erwerbsmöglichkeit umsehen.

Zunächst unterrichtete sie als Privatlehrerin die Tochter Amanda des Gerichtspräsidenten von Stengel, woraus sich eine lebenslange Freundschaft entwickelte, dass die 16 Jahre länger lebende Amanda von Stengel sogar im Grab Isabellas beigesetzt wurde.

Widmung von Isabella Braun aus dem Jahr 1862 in einem ihrer Bücher

Die Literatur für Kinder wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts dominiert von den zahlreichen Büchern des Augsburger Domkapitulars Christoph von Schmid. Nach dem großen Erfolg seiner 1810 veröffentlichten Erzählung Genovefa, flossen über vier Jahrzehnte zahlreiche Kinderbücher aus seiner Feder. Ganz sicher ist auch Isabella Braun mit ihnen aufgewachsen. Nach seinem Vorbild schrieb auch sie Geschichte und Gedichte für die, die sie 1849, nachdem sie den greisen Christoph von Schmid gewinnen konnte ihr ein Vorwort zu schreiben, erscheinen ließ. Das Buch war erfolgreich, so dass schon im nächsten Jahr eine zweite Auflage erscheinen konnte. Der erhoffte gute Start in ein neues Berufsleben als Schriftstellerin war geglückt und Kollmann ließ rasch weitere Bändchen folgen. Doch der Erfolg stagnierte, Kollmanns verlegerische Risikobereitschaft auch und so musste sie sich erneut auf Verlagssuche machen. Fündig wurde sie endlich in Stuttgart beim Verlag der Gebrüder Scheitlin. In ansprechender Aufmachung, mit dekorativen Chromolithographien von Ferdinand Rothbart illustriert, stellte sich der Verkaufserfolg wieder ein und so erschienen im Lauf der nächsten Jahre eine ganze Reihe dieser schön gestalteten Bücher. Scheitlin, der auch den sehr bekannten Jugendbuchautor Franz Hoffmann verlegte, war stets bemüht ihm erfolgreich erscheinende Projekte zu realisieren und so schlug er Isabella Braun vor unter ihrer Leitung eine regelmäßig erscheinende Zeitschrift für Kinder zu gründen, obwohl dies wegen der bestehenden Konkurrenz ein schwieriges Unternehmen war. Als Kenner des Buchmarktes hatte er allerdings ein Gespür für die Ansprüche der Leser. Er drängte darauf, dass ein Umzug nach München stattfand. Die Stadt war durch die enorme Vergrößerung Bayerns auf dem Weg sich zu einer der ganz großen Metropolen Deutschlands zu entwickeln. Der 1854 erfolgte Umzug passte gut in die Lebensplanung, da der Vater ihrer Freundin Amanda in gleicher Zeit ebenfalls nach München versetzt worden war. In ihrer neuen Münchner Wohnung machte sie sich sogleich an die Planung und Vorbereitung der neuen Zeitschrift, die unter dem Titel Jugendblätter für christliche Unterhaltung und Belehrung erscheinen sollte.

Werbeanzeige des Scheitlin-Verlags zur Gewinnung von Abonnenten für seine neue Zeitschrift "Jugendblätter"

Das erste Heft wurde schon im Dezember 1854 ausgeliefert. Neben unterhaltenden Beiträgen sollten auch Natur, Geschichte und Geografie als Themen einfließen. Zielgruppe waren christlich orientierte Familien aller Konfessionen, aber auch Schulen, Heime, Klöster und andere Bildungsinstitute. Die Hefte erschienen monatlich mit einem Umfang von etwa 50 Seiten, illustriert mit Chromolithografien in jedem zweiten Heft. München war für die Gewinnung zugkräftiger Autoren und Illustratoren ein günstiger Standort und Isabella Braun konnte zahlreiche Mitarbeiter gewinnen. Ein guter Start war somit geglückt und die Jugendblätter konnten sich gut am Markt etablieren und behaupten.

Ein weiterer Aufschwung erfolgte ab 1867, als der Münchner Verlag Braun & Schneider die Jugendblätter übernahm, da sich bei Scheitlin ein Rückzug in die Schweiz anbahnte. Der neue Verlag verbesserte die Ausstattung und legte besonderen Wert auf die Illustrierung. Doch der Erfolg war anfällig, es gab Höhen und Tiefen und der Zeitschriftenmarkt wurde immer schwieriger. Trotzdem stellte sich Isabella Braun ihrer Aufgabe und blieb bis zu ihren Tod im Jahr 1886 Herausgeberin der Jugendblätter.

Danach übernahm ihre Nichte Isabella Hummel, die Tochter ihrer Schwester Sophie die Schriftleitung. Doch den Abschwung konnte sie nicht aufhalten, dass die Existenz der Zeitschrift um die Jahrhundertwende ernstlich gefährdet war. Als Retter erwies sich der Münchner Unternehmer Carl Schnell, der die Jugendblätter kaufte und mit viel unternehmerischem und finanziellem  Einsatz die Zeitschrift zu neuen Höhen führte, dass sie sogar die schwere Zeit des Ersten Weltkriegs überstand. Erst die Machtübernahme der Nationalsozialisten brachte 1933 ein erstes Ende.  1948 kam es zwar zu einem Versuch der Neubelebung, den Entwicklungen der neuen Zeit war die Zeitschrift aber nicht mehr gewachsen, die Herausgabe wurde 1951 endgültig eingestellt. 

Isabella Brauns letzte Lebenszeit war geprägt von schwerer Krankheit, nach ihrem Tod am 2. Mai 1886 wurde sie drei Tage später auf dem Südlichen Friedhof zur letzten Ruhe gebettet. Nach dem Abräumen des Grabes blieb das dort errichtete Denkmal für sie stehen und ist noch heute erhalten

Isabella Brauns neuer Verleger Carl Peter Scheitlin - Der Stuttgarter aus St. Gallen

Eine der ganz frühen Veröffentlichungen des Verlages der Gebrüder Scheitlin in Stuttgart, Isabella Brauns "Das Vater unser" 1854 in der typischen Verlagsausstattung dieser Frühzeit. Deutlich großformatiger als frühere Kinderbücher in dieser Zeit, mit aufwendiger grafischer Ausstattung, hier mit den Mitte des 19. Jahthunderts wieder aufkommenden gotischen Formen. Auch das zart kolorierte Frontispiz mit einem Rahmen aus natürlichen Formen und vegetabilen Ausschmückungen.

Der Inhaber des Verlags Gebrüder Scheitlin in Stuttgart war Carl Peter Scheitlin, ein außergewöhnlicher Verleger, der sein Leben dem Buch gewidmet hatte. Als Nachfahre einer alten St. Gallener Pfarrerfamilie wurde er am 08. Februar 1809 in St. Gallen geboren. Sein Vater Peter Scheitlin  war dort Pfarrer und Professor für  Philosophie und Naturkunde. Seine Großmutter Katharina entstammte der bekannten und weit verbreiteten Familie Tschudi in Glarus. Nach einer Buchhändlerlehre in Konstanz und Weiterbildungstätigkeiten in Deutschland eröffnete er 1835 eine bald sehr erfolgreiche Buchhandlung in St. Gallen.  Schon bald wendete er sich auch verlegerischen Tätigkeiten zu, wozu er sich 1839 mit Christoph Zollikofer zusammengetan hat. In ihrem Verlag erschien u.a. auch ein  Tagblatt der Stadt St. Gallen und der Cantone St. Gallen und Appenzell. Daneben war er Präsident des Bezirksgerichts und Präsident der Landwirtschaftlichen Gesellschaft des Kantons St. Gallen. Nachdem sein Vater 1848 verstorben war, verkaufte er 1850 seinen Geschäftsanteil an Iwan (eigentlich Johannes) von Tschudi, den Mitbegründer des schweizerischen Alpenclubs, und gründete in Stuttgart ein eigenes Verlagsgeschäft und dem Namen Gebrüder Scheitlin. Er war durch seine bisherigen Tätigkeit bestens vorbereitet und durch seine familiäre Herkunft finanziell abgesichert und führte das neue Unternehmen, auch mit Büchern von Isabella Braun, zu raschem Erfolg. Ende der 1860er Jahre zog er sich wieder nach St. Gallen zurück und lebte ab 1881 im nahen Horn am Bodensee, wo er auch 1901 verstarb.

Fortsetzung und weitere Bilder folgen.