Die Ostgrenze Böhmens war seit Urzeiten von einem breiten Grenzwald bedeckt, der einen natürlichen Schutz gegen feindliches Eindringen aus den ostwärts gelegenen Gebieten bot.
Hier, direkt an der mährischen Grenze, wachte seit der Mitte des 13. Jahrhunderts die Grenzfeste Fürstenberg, die heute den Namen Svojanov trägt, über ein großes, fast gänzlich bewaldetes Gebiet, das unter der direkten Herrschaft des böhmischen Königs Přemysl Ottokar II. stand. In seinem Auftrag wurde dieser Wald in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts teilweise gerodet und von deutschen Kolonisten besiedelt, und meine Vorfahren waren wohl auch daran beteiligt, denn unsere Familie lässt sich in Schönbrunn, einem damals entstandenen Dorf, durchgehend bis in die frühesten historischen Aufzeichnungen und Kirchenbücher zurückverfolgen.
Auf diesem Gebiet entstand eine große böhmische Standesherrschaft, die nach ihrem Herrschaftsort den Namen Bistrau (Bystré u Poličky) trug. In ihrem Herrschaftsgebiet haben alle Träger des Namens Bidmon ihren familiären Ursprung, der Name kommt jedoch fast ausschließlich in den Dörfern Schönbrunn (Jedlová u Poličky) und Laubendorf (Pomezí) vor, wobei sich der Name schon in den ältesten Urbarien und Grundverträgen findet.
Unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde mein Vater, noch im Mai 1945, durch bewaffnete, paramilitärische Einheiten von dort vertrieben. Seine Brüder und seine Eltern sind auf dem Hof geblieben und starben dort in den 1950er Jahren, als letzter von ihnen sein Bruder Siegfried, zwei Tage nachdem er in besten Gesundheitszustand im Polizeigefängnis Pilsen inhaftiert worden war, weil er sich weigerte den ihm gehörenden Steinbruchbetrieb verstaatlichen zu lassen. Warum mein Vater als einziger der Familie Haus und Land verlassen musste kann ich nur vermuten. Das Bistrauer Gebiet war zweisprachig, d.h. die deutsch-tschechische Sprachgrenze lief mitten hindurch. Schönbrunn, das letzte deutschsprachige Dorf, war im Süden und Westen von rein tschechischen Dörfern umgeben. Wegen dieser extremen Randlage waren die Menschen auf beiden Seiten bestrebt sich Sprachkenntnisse der anderen Seite anzueignen. Schon die Kinder lernten die fremde Sprache von den anderssprachigen Knechten und Mägden, von reisenden Händlern und Arbeitern oder von entfernten Verwandten die auf der sprachlich anderen Seite lebten. Deshalb sprachen auf dem Hof 123 alle gut Tschechisch, außer meinem Vater, der erst 1920 geboren, durch die heraufziehenden nationalen Verhärtungen in einem antideutschen/antitschechischen Klima aufwuchs und deshalb, trotz schulischem Zwangssprachunterricht, nur wenige Worte Tschechisch kannte. Beide Brüder meines Vaters hatten in der tschechischen Armee gedient, er kam im Gegensatz dazu erst Anfang des Zweiten Weltkriegs zum Militär, d.h. zur deutschen Wehrmacht. Nachdem er wegen des Verlustes des linken Armes ausgeschieden war, wurde er zur Invalidenversorgung im landwirtschaftlichen Dienst des Kreises beschäftigt und war damit Angehöriger der wohl ungeliebten deutschen Verwaltung.
Die Vorfahren ihrer Mutter Marie Werner lebten auf dem Hof Nr. 50 in Oberheinzendorf (Horní Hynčina). Die Familie Werner kam ursprünglich auch aus Greifendorf und lebte dort auf dem 47. Grund. Veit, der erste Werner in Oberheinzendorf, kaufte am 24.Mai 1715 um 290 Mark die 2. Nahrung in Oberheizendorf von Friedrich Puschmann. Im alten Grundbuch Greifendorfs kann man die Familie Werner in ununterbrochener Erbfolge zurückverfolgen bis zum Mittwoch nach Valentin 1595, als Jockel Werner die 47. Nahrung nach seines Vaters Simon Testament um 550 Mark übernimmt.