Der kleine Ausschnitt aus der 1726 von Johann Christoph Müller veröffentlichten Kupferstichkarte Mappa Regni Bohemiae zeigt die in Ostböhmen gelegene Heimatregion meiner Eltern. Links unten findet sich der Ort Schönbrunn, in dem die Vorfahren meines Vaters seit Jahrhunderten lebten, rechts oben Hermersdorf (hier Hermigsdorf genannt), der Geburtsort meiner Mutter. Ihre Vorfahren lebten ebenfalls seit Jahrhunderten in Greifendorf, kamen später jedoch nach Heintzendorf und Hermersdsorf. Die ganze Region war Teil der größten deutschen Sprachinsel in der Tschechoslowakei, die den Namen Schönhengstgau trug und eine Fläche von etwa 1230 qkm einnahm. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten dort in sechs Städten und 142 Gemeinden etwa 130 000 deutschstämmige und Deutsch sprechende Sudetendeutsche. Der Anteil der tschechischen Bevölkerung lag unter einen halben Prozent.

 

Ganz im Osten Böhmens, direkt an der mährischen Grenze, wachte seit der Mitte des 13. Jahrhunderts die Grenzfeste Fürstenberg, die heute den Namen Svojanov trägt, über ein großes, fast gänzlich bewaldetes Gebiet, das unter der direkten Herrschaft des böhmischen Königs Přemysl Ottokar II. stand. Später mehrfach geteilt, entstand auf diesem Gebiet eine böhmische Standesherrschaft, die nach ihrem Herrschaftsort den Namen Bistrau (Bystré u Poličky) trug.

Alle Träger des Namens Bidmon haben ihren familiären Ursprung in diesem Gebiet, der Name kommt jedoch fast ausschließlich in den Dörfern Schönbrunn (Jedlová u Poličky) und Laubendorf (Pomezí) vor.

Das Land war seit Urzeiten von einem ausgedehnten Grenzwald bedeckt, der einen natürlichen Schutz gegen feindliches Eindringen aus den ostwärts gelegenen Gebieten bot. Dieser Wald wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts teilweise gerodet und von deutschen Kolonisten besiedelt und meine väterlichen Vorfahren waren wohl auch daran beteiligt, denn unsere Familie lässt sich in dem damals entstandenen Dorf Schönbrunn durchgehend bis in die frühesten historischen Aufzeichnungen und Kirchenbücher zurückverfolgen.

In diesem Bauernhof meiner Großeltern, Schönbrunn HausNr. 123, wurde 1920 mein Vater geboren. Unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde er, noch im Mai 1945, von dort vertrieben. Seine Brüder und seine Eltern sind auf dem Hof geblieben und starben dort in den 1950er Jahren. Das Bild zeigt den Hof im Jahr 1985, leer stehend und etwas verwahrlost. Zum Glück wurde das Anwesen vor einigen Jahren von einem in Schönbrunn niedergelassenen Tierarzt erworben, komplett renoviert und damit vor dem Verfall gerettet.

Meine Mutter wurde im böhmischen Teil von Hermersdorf (Kamenná Horka) geboren, etwa 4 km südöstlich der Kreisstadt Zwittau (Svitavy) gelegen. Ihr Vater Josef Fuchs entstammte der großen Fuchssippe in Greifendorf (Hradec nad Svitavou).      

Die Vorfahren ihrer Mutter Marie Werner lebten auf dem Hof Nr. 50 in Oberheinzendorf (Horní Hynčina). Die Familie Werner kam ursprünglich auch aus Greifendorf und lebte dort auf dem 47. Grund. Veit, der erste Werner in Oberheinzendorf, kaufte am 24.Mai 1715 um 290 Mark die 2. Nahrung in Oberheizendorf von Friedrich Puschmann. Im alten Grundbuch Greifendorfs kann man die Familie Werner in ununterbrochener Erbfolge zurückverfolgen bis zum Mittwoch nach Valentin 1595, als Jockel Werner die 47. Nahrung nach seines Vaters Simon Testament um 550 Mark übernimmt.

Grundbuch Greifendorf 1590-1840 Seite 122 : Übernahme des 47. Grundes durch Jockel Werner nach dem Testament seines Vaters Simon um 550 Mark