Therese Huber

* 7. Mai 1764 in Göttingen – † 15. Juni 1829 in Augsburg

Im Januar 1804 kam der junger Schweizer Forstwirt Gottlieb von Greyerz auf der Suche nach einer beruflichen Zukunft nach Schwaben, da ihm eine Stelle als Oberförster im bayerischen Forstdienst zugesagt worden war.

Er wurde 1778 in Steffisburg bei Thun, etwa 30 km südöstlich von Bern gelegen, geboren. Sein gleichnamiger Vater war dort Pfarrer an der Stadtpfarrkirche. Zunächst hatte er Jura studiert, wurde dann aber in die kriegerischen Auseinandersetzungen gegen die französischen Revolutionstruppen verwickelt. Seit Frühjahr 1798 stand er in schweizerischen Militärdienst und befehligte als Leutnant einen Kanoniertrupp mit zwei Geschützen, als er am 4. März 1798 bei einem Gefecht in Bühren an der Aare durch einen Schuss in die Schulter verletzt wurde. Nach langer Rekonvaleszenz ging er nach Deutschland und absolvierte ab 1798 ein forstwirtschaftliches Studium in Heidelberg und Göttingen. Die praktische Ausbildung erlangte er anschließend durch Tätigkeiten im Forstdienst in verschiedenen deutschen Regionen, z.B. im Harz.

Nachdem er 1801 in die Schweiz zurückgekehrt war, wurde er im September 1802 aufgefordert wieder in den Militärdienst einzutreten. Unverzüglich bat er deutsche Freunde um Unterstützung bei der Suche nach einer beruflichen Existenzmöglichkeit in Süddeutschland. Die großen Gebietsgewinne in Bayern durch die Säkularisation erforderten viel neues Staatspersonal. Als er nach längerer Wartezeit eine Stellenzusage als Oberförster in den bayerischen Staatsforsten erhielt,begab er sich sofort nach Bayern. Da die Zeit bis zum Dienstantritt noch längere Zeit dauern sollte quartierte er sich vorerst in Ulm ein, wo er am 20. Januar 1804 eintraf. Der für ihn vorgesehene Dienstort Stoffenried lag etwa 30 Kilometer südöstlich von Ulm.

Um sich die Wartezeit erträglicher zu machen besuchte er Anfang März 1804 einen früheren Studienkollegen, der zwischenzeitlich in Stuttgart lebte. In Ulm hatte er Kontakt zu Ludwig Ferdinand Huber, der eben zum Landesdirektionsrat im bayerischen Schuldienst berufen worden war. Dieser empfahl ihm, dabei auch seine noch in Stuttgart lebende Familie zu besuchen. Bei seinem Besuch am 3. März 1804 lernte er Hubers Familie erstmals kennen.

Der junge Oberförster Gottlieb von Greyerz, etwa zur Zeit seines Einzugs ins Stoffenrieder Forsthaus, gemalt von Georg Volmar.

Greyerz, ein aufrichtiger, wohlerzogener junger Mann, zudem mit einer gut dotierten Lebensstellung ausgestattet, gefiel Hubers Ehefrau Therese ausnehmend. Auf der anderen Seite war Greyerz völlig allein und stand kurz davor einen eigenen ländlichen Haushalt führen zu müssen. Die herzliche Aufnahme durch Therese Huber und ihre Kinder zog ihn an und es entwickelte sich eine enge Freundschaft, die durch den Umzug der restlichen Huberfamilie nach Ulm noch intensiviert wurde. Greyerz verliebte sich sofort in die erst 14-jährige Claire Forster, Thereses Tochter aus ihrer ersten Ehe mit dem inzwischen verstorbenen Georg Forster. Dies entsprach auch Thereses Hoffnungen, sie förderte die Verbindung und schon im September 1804 hielt Greyerz um Claires Hand an. Im Dezember konnte er seine Stelle in Stoffenried antreten und am 9. Mai 1805 fand in Göppingen die Hochzeit der erst 15-jährigen Claire mit dem 12 Jahre älteren Gottlieb von Greyerz statt. Er wurde damit zur neuen wirtschaftlichen Stütze der Huber’schen Familie, da  Ludwig Ferdinand Huber am 2. April 1805 in Ulm gestorben war. Die vor ihnen zum Greifen nahe liegende, geischerte Zukunft der Familie war durch Hubers Tod ernsthaft gefährdet. Der Vernunft folgend zogen nicht nur Claire, sondern auch deren Mutter und Geschwister am 12. Mai 1805 ins große, ehemals Elchinger Amtshaus, das damalige bayerische Forsthaus in Stoffenried ein, das damit zu einem bis heute bekannten Ort der deutschen Literaturgeschichte wurde.

Claire von Greyerz, geb. Forster, Tochter von Therese Huber und Ehefrau des Oberförsters Gottlieb von Greyerz, gemalt von Ludovika Simanowiz 1805
Therese Hubers Vater, der Göttinger Professor Christian Gottlob Heyne (1729 - 1812), gemalt von Johann Heinrich Tischbein 1772

Heute ist Therese Huber weitgehend vergessen, zu ihren Lebzeiten war sie jedoch in gebildeten Kreisen sehr bekannt durch ihre literarischen Veröffentlichungen und ihr wechselvolles Leben. Sie war Teil des literarischen Lebens Deutschlands und verkehrte mit den berühmtesten Schriftstellern ihrer Zeit. Wenn man sie mit einem zutreffenden Schlagwort bezeichnen und vorstellen will, so gebührt ihr sicherlich die Bezeichnung – erste Journalistin Deutschlands – betreute sie doch über viele Jahre eine der führenden Zeitschriften ihrer Zeit als gesamtverantwortliche Redakteurin.

Sie wurde am 7. Mai 1764 in Göttingen geboren und auf den Namen Marie Therese Wilhelmine getauft. Ihr Vater, der Altphilologe Christian Gottlob Heyne, war als Professor und Bibliothekar eine führende Persönlichkeit an der schon damals bedeutenden Universität der Stadt, die zwar erst 30 Jahre zuvor vom Hannoveraner Kurfürsten und britischen König Georg II. gegründet worden war, sich aber rasch hinein entwickelt hatte in die ersten Ränge der europäischen Universitäten.

Für den weiblichen Nachwuchs der Professorenfamilien waren die Zukunftsmöglichkeiten eng begrenzt. Sie waren umgeben von Bildung, lebten in und mit ihr, Großväter, Onkel und Brüder gehörten zum Stand der Professoren, des sonstigen Universitätspersonals oder freier akademischer Berufe, seien es Ärzte, Apotheker oder Juristen. Die häuslichen Gespräche drehten sich um Forschen, Wissen, und Veröffentlichen, Bücher, ja ganze Universitätsbibliotheken konnten ihren Wissensdurst stillen, doch der Zugang zu einer systematischen Bildung oder gar einer späteren akademisch geprägten Lebensstellung war ihnen völlig verschlossen. Da sie weder dem Adel, noch vermögenden Kreisen angehörten, stand ihnen nur eine Zukunft als Ehefrauen akademisch gebildeter Männer offen.

In Göttingen gab es mehrere dieser Professorentöchter, deren mitunter abenteuerliche Lebenswege sich oft verbanden und enge Verbindungen unter einander hatten. Die bekannteste neben Therese Heyne waren wohl Caroline Michaelis, verheiratete Böhmer und spätere Frau von August Wilhelm Schlegel, sowie Meta Wedekind, geschiedene Forkel, verheiratete Liebeskind. Ihre außergewöhnlichen, oft sprunghaften und in jeder Hinsicht unangepassten Beziehungen zu damals recht bekannten Männern machten sie zu Objekten allgemeinen Interesses und später fiel, unter der Bezeichnung Göttinger Universitätsmamsellen, sogar ein Streiflicht der deutschen Literaturwissenschaft auf ihren Kreis.

Der junge Georg Forster
Johann Reinhold Forster 1781, Kupferstich von Johann Friedrich Bause nach einem Gemälde von Anton Graff

So erging es auch der jungen Therese Heyne, die viel Gebrauch von den Bildungsmöglichkeiten ihrer Familie machte und dadurch breit gestreute Kenntnisse auf zahlreichen Gebieten erworben hatte. Als ihre Mutter 1776 früh verstarb und sich der Vater schnell wieder verheiratete, musste sie im Pensionat des stiefmütterlichen Großvaters die Grundausbildung für ihr vorbestimmtes Leben als Ehefrau und Mutter absolvieren. Bald fand sich auch ein geeigneter Heiratsaspirant im Hause Heyne ein, ein weltberühmter noch dazu. Es war der 1754 geborene Georg Forster, der als Assistent seines Vaters, des Naturforschers Johann Reinhold Forsters, von 1772 bis 1775 James Cook auf seiner zweiten Reise in die Südsee begleiten durfte. Da sich Johann Forster zuvor vertraglich verpflichten musste keine eigenen Ergebnisse der Reise unter seinem Namen zu veröffentlichen, tat er dies unter dem Namen seines Sohnes Georg, der beim Vertragsschluss vergessen worden war und der dadurch innerhalb kürzester Zeit zu einem der bekanntesten Weltreisenden und Naturforscher dieser Zeit wurde.

Vater und Sohn, Johann Reinhold und Georg Forster (F. J. Bertuch 1803)
Titelseite der mehrbändigen Reiseaufzeichnungen von Johann Reinhold Forster
Titelblatt der Erstausgabe von Georg Forsters Reisebericht (Band I)
1778 Erste deutsche Ausgabe der Reise 1772-1775
Vater und Sohn Forster während der Forschungsreise auf Tahiti, Gemälde von John F. Rigaud um 1780
Eine von vielen Veröffentlichungen Forsters über die Ergebnisse der zweiten Weltreise von James Cook
Georg Forster als Mitherausgeber von Georg Christoph Lichtenberg beim Göttingischen Magazin der Wissenschaften und Litteratur

Therese fand zwar kaum Zuneigung zu Forster, doch sie war sich der Güte des Antrags bewusst und stimmte zu. Nach einer gut einjährigen Verlobungszeit heirateten sie am 4. September 1785.

Berühmt sein und zum Mitglied vieler Naturforschenden Gesellschaften berufen zu werden ist eines, eine auskömmliche gute Lebensstellung zu finden aber doch ganz anders. Forster erhoffte sich eine Professur an einer renomierten Universität, musste sich zuerst aber mit einer Lehrtätigkeit am Kasseler Collegium Carolinum zufrieden geben. 1778 trat er die schlecht bezahlte Stelle an, die einzig den Vorteil hatte nahe an Göttingen, seinem Wunschort, zu liegen. 1783 nahm er das Angebot einer Professur an der Universität Wilnius, das damals polnisch war, an. Die Versprechen waren vielversprechend, doch die Realität hinkte in vielem hinterher. Forster litt unter den schwierigen Arbeitsverhältnissen und der Ungastlichkeit des Landes.

Die Zeit wurde schwierig für das junge Paar, wirtschaftlich, beruflich, am schlimmsten aber war, dass die geringe Verbundenheit nicht wuchs, sondern abnahm. Insbesondere im sexuellen Bereich gab es kaum Harmonie. 1786 kam das erste Kind Therese zur Welt, 1789 die Tochter Claire, zwei weitere Kinder – Luise 1791 und Georg 1792 – überlebten nicht. 1787 kehrten Forsters enttäuscht und unter Hinterlassung von Schulden nach Göttingen zurück. Die erneut notwendige Suche nach einer angemessenen Stellung zeigte sich abermals schwierig. Erst 1788 konnte er als gut bezahlter Oberbibliothekar der Universitätsbibliothek nach Mainz gehen. In der Göttinger Zeit hatte sich Therese verliebt in Friedrich Ludwig Meyer, den ihr Vater 1785 als Bibliothekar an die Universitätsbibliothek nach Göttingen geholt hatte. Es entwickelte sich eine heftige Liebesbeziehung, die von Forster toleriert, bis zum Umzug 1788 nach Mainz andauerte, da Meyer einen dreijährigen Auslandsaufenthalt begann.

Georg Forster gemalt von Johann H. W. Tischbein um 1785

Nach ruhigen ersten Jahren eskalierten die Ereignisse in Mainz ab Ende 1792 zunehmend nach der Besetzung durch französische Revolutionstruppen. Forster und seine Freunde engagierten sich für demokratische Ideen, gründeten einen sog. Jakobinerklub, der die Gründung einer Mainzer Republik und deren Anschluss an Frankreich bewirken sollte. Forster wurde zum Abgeordneten im Rheinisch-Deutschen-Nationalkonvent gewählt. Seit 1791 waren Forsters bekannt mit Ludwig Ferdinand Huber, dem Sekretär der sächsischen Gesandtschaft in Mainz. Daraus entwickelte sich, auch diesmal mit Forsters Einverständnis, das nächste Liebesverhältnis. Therese sah ihre Ehe als endgültig gescheitert an und nützte eine Abwesenheit Forsters sich mit ihren Kindern am 7. Dezember 1792 ins sichere Straßburg abzusetzen. Ludwig Huber verließ den diplomatischen Dienst, löste seine Verlobung auf und lebte fortan mit Therese. Georg Forster wurde als Abgeordeter des deutschen Nationalkonvents in den französischen Nationalkonvent nach Paris entsandt, um dort den Anschluss der Mainzer Republik an Frankreich weiter zu betreiben, was aber durch die Rückeroberung von Mainz nicht zustande kam. Forster konnte damit nicht nach Deutschland zurückkehren, blieb in Paris und starb dort am 10. Januar 1794.

Ludwig Ferdinand Huber, der spätere Sekretär an der sächsischen Gesandtschaft in Kurmainz. Zeichnung seiner damaligen Verlobten, der Malerin Dora Stock 1784

Drei Monate nach Forsters Tod heirateten Therese und Ludwig Ferdinand Huber in ihrem damaligen Wohnort Neuchâtel in der Schweiz. Da sie bald danach aus Neuchâtel, das damals zu Preußen gehörte, ausgewiesen wurden, mussten sie ihren Wohnort in das 5 km südwestlich gelegene kleine Dorf Bôle verlegen, wo sie vier Jahre blieben. Das Paar fand hier nach den turbulenten Mainzer Zeiten neue Ruhe, die Familie wuchs, drei ihrer insgesamt sechs gemeinsamen Kinder wurden hier geboren, von denen aber nur die erstgeborene Tochter Louise (07.03.1795) überlebte.

Weitgehend mittellos und abgeschnitten von der Heimat war die wirtschaftliche Situation desolat, sie mussten sich mit kleineren literarischen Arbeiten und Übersetzungen durchschlagen. Sie arbeiteten dabei Hand in Hand, als Verfasser trat aber immer Ludwig Huber auf, dass es heute fast unmöglich ist die Anteile Thereses am Werk Hubers zu bestimmen.

In all den Jahren hatte Huber seine literarischen Verbindungen, insbesondere auch zu Cotta, nie ganz abreißen lassen. Nachdem sich die politischen Wirren der Zeit langsam wieder gelegt hatten und es Aussicht auf eine Anstellung als Redakteur in einer neu zu gründenden Zeitschrift bei Cotta gab, kehrten Hubers nach Deutschland zurück. Einige Wochen blieben sie in Tübingen, dann ließen sie sich in Stuttgart nieder, dem Sitz der Zeitung. Es gab zwar ziemlich heftige Gründungsprobleme, doch alles lief auf ein gutes Ende hinaus, dass Huber als Chefredakteur, ordentlich und sicher bezahlt, eine stabile Basis für seine noch immer wachsende Familie vorweisen konnte. Ein 1803 ergangenes neuerliches Verbot der Zeitung parierte Cotta mir der Verlegung der Redaktion ins damals bayerische Ulm. Huber begab sich nach Ulm, wo er durch glückliche Fügung sogar noch eine Stelle als bayerischer Landesdirektionsrat in der Schulverwaltung erhielt, die zudem neben seiner Redakteursarbeit ausführbar war. Therese blieb zunächst mit den Kindern in Stuttgart, wo sie Gottlieb von Greyerz besuchte. Wieder am Anfang dieser Geschichte angelangt, beginnt sie 1805 von neuem in Stoffenried.

Ludwig Ferdinand Huber um 1800, gemalt von Carl Ludwig Kaaz

1805 - 1807 Stoffenried

In dieses stattliche Forsthaus in Stoffenried, das heute als Schullandheim genutzt wird, zog die Familie von Greyerz 1805 ein

Das neue Domizil war ein stattlicher Landsitz, der unter einem riesigen Walmdach 12 beheizbare Zimmer, mit einer Küche, in die vom Brunnen neben dem Haus unaufhörlich frisches Wasser hereinfloss, mit großen landwirtschaftlichen Nebengebäuden, die Platz für Pferde- und Kuhstallungen boten. Er lag mitten in einem kleinen, allerdings abgelegenen Dorf, leicht erhöht direkt an einem Dorfweiher, neben Kirche, Friedhof und Pfarrhaus und umgeben von einigen Bauernhäusern, die sich auf der anderen Seite des Dorfweihers wie eine kleine Häuserherde aufgereiht präsentierten. Der Blick ging weit über die flache Hochfläche bis zu den umgebenden Wäldern, dem Revier des Oberförsters Greyerz.

Da Ulm nur wenige Stunden von Stoffenried entfernt ist, hatte sich Therese die Verhältnisse am neuen Wohnort angesehen um den Einzug vorbereiten zu können. In einem Brief an ihren Vater vom 2. April 1805 beschreibt sie die zukünftige neue Heimat.

                                                                                                                             Ulm       2. April 1805     Dienstag

 ………………..  Mein Schwiegersohn ist einer der besten moralischguten Menschen. Er verehrt mich mit jugendlicher Schwärmerei. Er ist, wie Sie wißen Forstmeister. Sein Revier ist das Größte der Provinz, er hat ein schönes Haus (das der Herrschaft gehört) wo oben 6 unten 6 Zimmer sind, alle Haushaltsbequemlichkeit, Stall, Wiesen, Gärten, hält 2 Pferde, mit der Zeit Kühe. Das Haus liegt am Ende des Dorfs am Ufer eines großen Weyhers, hoch, mitten in Gärten. Außer der Wohnung, den Gärten hat er 20 Klafter Holz, und 2000 Gulden Revenü, dafür muß er aber viel arbeiten. Greyers ist für seine Zimmer hübsch meublirt. Ich bekomme drei Zimmer für die ich Meubles habe. Wir sind 4 Stunde von Ulm, 3 von Günzburg, 2 von Weißenhorn, eine von Wettenhaußen – lauter Städchen, entfe(rnt.) Der Ort heißt: Stoffenried. Ich werde viel Arbeiten müßen, werde von Hubers Schatten umgeben seine Kinder erziehen. Alles um uns ist Katholisch. Greyers ist als Berner, reformirt, so wie meine beiden Forsters. Dieser Umstand verschaft jezt Clairen und ihren Kindern das Berner Bürgerrecht. Luise und Aime werden katholisch wie ihr Vater. Ich übernehme bei Greyers die Küche g a n z , Ciaire Garten und Keller. Ich gebe ihnen für meine Kinder und mich 200 Gulden Kostgeld, dabei habe ich aber ein Reitpferd, denn ich soll auf des Arztes Rath, reiten. Sein Sie nicht bange, ich reite sehr fest und muthig von je her. Das Pferd gehört Greyers ………

Auch in den folgenden Jahren beschreibt sie in ihren Briefen immer wieder die Situation im Stoffenrieder Forsthaus.

    Stoffenried   14. Juli 1806    Montag   an Mariette Hartmann in Stuttgart

Sie wird Dir, wie sie Dir von meines Enkels Geburt Nachricht gab, erzählt haben wie voll unser Haus ist – ohne das Kind jezt 12 Personen. Der Knecht versieht die Pferde, haut Holz, muß manche Garten Arbeit thun und wird bald hier bald dort auf mehrere Stunden verschickt – die eine Magd hat die Wäschen für Kind und junge Leute (an Hosen, Westen – wo sie nicht von einer Wäsche zur andern haben – ) Kehren Betten und Gartenwesen – die Köchinn hat genug zu thun, und führt denn doch über die andern eine Art Aufsicht. An welchen Plaze der 2 Mägde könnte Liese stehen? TU DIEU. Die müßen schaffen! 4-5 Ofen, 10 Betten (Luise u ich besorgen unsre Kammer selbst,) 8 Zimmer Kehrn – da wär Liese ganz unnüz. Das Kind blieb also – daß besorgt wer eben Zeit hat (um es umher zu schaukeln) – ists gesund, so wirds die Mutter besorgen mit Waschen, Füttern, Ankleiden – so lang es so elend ist, besorg ich es. 

………………………. Unser Jahr verspricht uns Brod, aber ob wir oder unsre komischen theuern Gäste es eßen werden, weiß Gott? Wir hatten diese Woche wieder Einquartirung.

                    Stoffenried     18. August  1806 an ihren Vater

Meine heutige Kürze hat eine Ursache die meinen Geschwister recht komisch vorkommen würde. Einmal sizt die ganze Familie u schnizelt Bohnen zum Einmachen. Zweitens bereitet man ein derbes Mittagseßen auf Morgen für 24 Personen, weil mein Schwiegersohn auf Gut Forstmännisch ein Freischießen giebt. Das ist: ein Vogel und Scheibenschießen welches sein Amt und seine Würde von ihm heischt. Da kommen außer den 24 Gästen noch ein Duzend Jäger und das Pulververgeuden hört nicht auf, den ganzen Tag. Die sanfte stille Therese schießt auch nach der Scheibe – Ciaire hingegen verkriecht sich – Luischen kam mir gestern, da ich ausgeritten war zu Fuße entgegen, mein Begleiter ließ sie auf seinen Pferd nachhause reiten. Heute früh klagte ich ihr: ich habe mir das Knie blutig gerieben, darauf zeigt sie mir daß sie eine Blatter oder BOUTON an der Nase hat, und frägt: kommt denn das auch vom Reiten? – ihre halb kindische halb schalkhafte Lustigkeit ist so sehr gutmütig und komisch!

 Die Förstergroßfamilie lebte harmonisch in gutem Einvernehmen, alle hatten ihr zugeteiltes Arbeitsfeld.Das Haus war groß und es war voll mit vielen Menschen die in ihm lebten, nicht nur die Försterfamilie und Therese Huber mit ihren Kindern, auch Bedienstete und immer wieder auch Gäste. Alle mussten zusammenarbeiten um den großen Haushalt zu meistern, schon die Nahrungsversorgung bedurfte erheblicher Anstrengungen. Zum Haus gehörte ein großer Garten, dazu Wiesen für die Tierhaltung und der Ernteerfolg stand immer unter den unbarmherzigen Unbilden der Natur. Es gab idyllische Sommer, aber auch lange Regenperioden und strenge Winter, doch gemeinsam wirtschafteten sie erfolgreich.

Durch die Ereignisse der Napoleonischen Kriege, insbesondere zur Zeit der großen Schlachten um Ulm und Elchingen 1805 hatten sie häufig Bedrängnisse durch umherziehende französische Soldaten, doch auch diese überstanden sie, vor allem wohl wegen ihren französischen Sprachkenntnissen relativ unbeschadet. 

Förster Greyerz, der häufig auswärts zu tun hatte war meist mit dem Pferd unterwegs, wobei ihn seine Schwiegermutter, die eine ausdauernde Reiterin war, häufig begleitete. Der Oberförster war der Patron in diesem Haus, die heimliche Hauptrolle spielte jedoch seine Schwiegermutter Therese Huber, geborene Heyne, verwitwete Forster.

Sie arbeitete pragmatisch, unterstützte ihre oft kränkelnde Tochter Claire und stellte sich den oft bedrohlichen gesundheitlichen Problemen aller Bewohner entgegen. 

Scherenschnitt des Gottlieb von Greyerz, geschnitten von seiner Frau Claire 1817

1807 Günzburg 1816

1816 Stuttgart 1823

1823 Augsburg 1829

Fortsetzung folgt

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