Wer nach einer nicht so spektakulären Anfahrt ganz unvermittelt vor dem großen Dorfweiher steht und auf das gegenüberliegende leicht erhöhte Ufer blickt, das mit drei stattlichen Gebäuden bebaut ist, ist ohne Ausnahme überwältigt von diesem schönen Dorfkern, umso mehr, je klarer sich die Gebäude – das mächtige Elchinger Amtshaus, die Pfarrkirche St. Ägidius, das in stilreinen Formen erbaute Pfarrhaus, die am Nordufer aufgereihten Bauernsölden der Neubesiedelung nach dem Dreißigjährigen Krieg und die hierher geretteten historischen Landwirtschaftsgebäude der Kreisheimatstube im Osten – im großen Weiher spiegeln. So ist es auch nicht verwunderlich, dass 1961, als sich der Landkreis Günzburg erstmals an der Aktion ″Unser Dorf soll schöner werden″ beteiligte, Stoffenried der erste Preisträger im Landkreis wurde.
Lage
Stoffenrieds Flur erstreckt sich unmittelbar westlich des hier wasserreichen Günztals auf einer weiten, wenig ansprechenden Hochebene bis hinüber zum großen Roggenburger Wald im Westen, in den die Rodungstätigkeit der ersten Siedler hier weit eingedrungen ist. Es ist ein breiter Waldstreifen, der auf der Höhe zwischen Günz- und Osterbachtal, vom Donautal im Norden bis weit hinunter ins Unterallgäu zieht und der von alters her die Westgrenze der Markgrafschaft Burgau markiert. Dahinter lag das große Gebiet der mächtigen Grafen von Kirchberg, deren Besitz nach ihrem Niedergang in großen Teilen, im wohl ersten Immobiliendeal Deutschlands, in die Hände der Fugger überging.
Der Wald wächst auf schweren, lehmigen Böden, die das Wasser reichlicher Niederschläge festhalten und in die Umgebung ableiten. Einer der ableitenden Bäche, der Hausener Bach, fließt mitten durch das Dorf, das wohl bewusst genau hier angelegt wurde. Man darf vermuten, dass der Bach schon bei der ersten Besiedlung in einer Kette von Weihern gestaut wurde. Heute ist aber nur noch der etwa 1 ha große, in der Mitte des Dorfes gelegene Weiher erhalten. Alte Flurpläne aus dem 17. und 18. Jahrhundert zeigen die Weiheranlage noch in ihrem damaligen Zustand. Abt Meinrad Hummel, als Abt des Klosters Elchingen Ortsherr Stoffenrieds, fand Gefallen an den Entwicklungen der mathematischen Wissenschaften und der daraus verbesserten Möglichkeiten der Landvermessung und ließ in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts das gesamte Klosterterritorium vermessen und in einem ″Ichnographia″ genannten Atlas aufzeichnen. Da Elchingen Besitzungen in Württemberg und Bayern besaß, wurde der Atlas nach der Säkularisation aufgeteilt. Der unter den Plänen des im Staatsarchiv Augsburg aufbewahrten bayerischen Kartenteils befindliche Plan Stoffenrieds von 1679 zeigt eine Kette von drei Weihern, von denen nur der erste und größte noch existiert. Der zweite, kleinste, nahm den Grund auf dem heute das Gelände der Kreisheimatstube steht ein. Nach einer deutlichen Geländestufe folgte ein dritter, sich mehr in nördlicher Richtung erstreckender Weiher. Seinen stauenden Wall kann man bis heute am nördlichen Ortsrand sehen, er bildet jetzt die Begrenzung einer im Rahmen der Dorferneuerung angelegten Sportgeländes.
Die Dorfstraße steigt dann in südlicher Richtung, vorbei am Amtshaus, etwas an und stößt auf ein Dreierensemble aus einer großen Dorfwirtschaft mit mächtigen Nebengebäuden einer Sauerkrautproduktion, die dafür sorgt, dass das Dorf im Herbst von ausgedehnten Krautfeldern umgeben ist und zwei stattlichen Bauernhöfen, darunter der sogenannte Rothenhof der Familie Roth, der es sogar zu literarischen Ehren gebracht hat. Der Krumbacher Karl Ganser erzählt in seinem Roman ″Die Brüder vom Rothenhof″ die Geschichte des Aussterbens der Stoffenrieder Bevölkerung durch Pest und Krieg und der Neubesiedlung aus den habsburgischen Besitzungen in Tirol nach dem Dreißigjährigen Krieg. Leider ist der große Baubestand derzeit kaum genutzt und dadurch gefährdet.

Geschichte
Stoffenrieds Geschichte ist eng verbunden mit dem Kloster Elchingen. Dieses hatte seit jeher den großen Marktflecken Waldstetten, wenige Kilometer nördlich gelegen, in seinem Besitz und suchte dieses Territorium durch benachbarte Güter zu erweitern. Schon Anfang des 13. Jahrhunderts bestanden Elchinger Rechte in Stoffenried, die das Kloster nicht halten konnte, erst 1386 zog das Kloster wieder als Ortsherr ein, nachdem es ihm von den inzwischen habsburgischen Herren der ehemals staufischen Markgrafschaft Burgau verpfändet wurde. Elchingens Grundherrschaft endete erst mit dem Ende des alten deutschen Reiches und seiner eigenen Auflösung. Zunächst wurde Stoffenried von Waldstetten aus verwaltet, nach dem Notverkauf des Marktes 1673 musste der bisherige Pfleger Hans Fendt die Verwaltung nach Stoffenried verlagern. Insgesamt scheint das Kloster mit der Verwaltung der abgelegenen Gebiete wenig Probleme gehabt zu haben, nur 1703 musste es nach massiven Beschwerden von Stoffenrieder Untertanen den aus Wallerstein im Ries stammenden Verwalter Martin Ignatius Hueber absetzen.
Durch die Säkularisation kam Stoffenried, wie alle schwäbischen Gebiete zwischen Iller und Lech, zu Bayern, dessen Herrscher Kurfürst Max IV. Joseph, der größte Gewinner durch die Säkularisation in Deutschland, als König Max I. Joseph weiter regieren konnte.
Stoffenried als kleine schwäbisch-bayerische Landgemeine mit etwas mehr als 300 Einwohnern, bestand viele Jahrhunderte, doch 1978 ging diese Zeit zu Ende. Stoffenrieds verlor seine Selbständigkeit und wurde in die naheliegende Gemeinde Ellzee eingemeindet. Doch die Ortsgemeinschaft besteht bis heute, der Zusammenhalt der Bewohner zeigt sich in vielen gemeinsamen Unternehmungen und Veranstaltungen, wie dem alljährlichen Weiherfest.
Gebäude

Nordseite und Südwestecke des Elchinger Amtshauses
Das Amtshaus
Zwischen Kirche und Kreisheimatstube, direkt an der Dorfstraße und am Weiher erhebt sich ein sehr stattliches Walmdachhaus, das sogenannte Amtshaus des Klosters Elchingen. Es imponiert nicht nur durch seine Größe, sondern fällt jedermann sofort auf durch seine vornehme Fassadenbemalung in allerdings manch düsteren Grundfarben.Graugrün, erdig das Erdgeschoss und die Fensterumrandungen, mit dunkel-braunvioletten Quaderfugen und Pilasteranmutungen im Obergeschoss. Nachdem das Kloster 1673 den Markt Waldstetten verkauft und der Sitz des Pflegers nach Stoffenried verlegt wurde, fehlte mehrere Jahrzehnte ein geeignetes Verwaltungsgebäude, dass sogar die Huldigungen der Untertanen im Freien stattfinden mussten. 1709 ließ Abt Anselm Bauer deshalb ein neues Amtsgebäude aufrichten, das 1771 grundlegend saniert und weitgehend neu aufgebaut wurde. Mit seinem stattlichen, querstehenden Stall- und Wirtschaftsgebäude und weiteren kleineren Nebengebäude ergab sich mehr das Bild einer vornehmen ländlichen Gutsanlage, denn eines reinen Verwaltungsgebäudes. Leider konnten die Elchinger Pfleger sich dieses schönen Amtssitzes nur wenige Jahrzehnte erfreuen, denn nach dem Übergang an Bayern wurde er der Forstverwaltung zugeteilt und Sitz einer der neu geschaffenen bayerischen Oberförstereien. Im Dezember 1804 bezog der aus der Schweiz stammende Gottlieb von Greyerz als erster Stoffenrieder Oberförster den behäbigen Amtssitz mit seinen 12 heizbaren Zimmern und einer modernen Küche, in der beständig fließendes Brunnenwasser zur Verfügung stand. Am 12. Mai 1805 folgten ihm seine Frau, deren Geschwister und ihre Mutter, damals eine der bekanntesten Literatinnen Deutschlands. Ihre Geschichte erzählt eine andere meiner Seiten.
Bis 1967 diente das gediegene Haus der bayerischen Forstverwaltung, kam 2 Jahre später in schlechtem Erhaltungszustand ins Eigentum der Gemeinde, die es nach aufwändiger Renovierung mitsamt des flankierenden Stall- und Scheunengebäudes als kleines ländliches Schullandheim einer sinnvollen Weiternutzung zuführte.

PfarrkircIhe St. Ägidius
Im Lauf von mehr als fünf Jahrhunderten wurde die Kirche immer wieder baulich verändert. Ihr schöner gotischer Chor und der schlanke Turm sind Zeugnisse aus der Erbauungszeit im späten 15. Jahrhunderts, als Stoffenried zur eigenen Pfarrei wurde. Wobei der blechgedeckte Spitzhelm eine Zugabe des 19. Jahrhunderts sein dürfte. Auch in der Barockzeit gab es Um- und Anbauten, so wurde 1733 das Langhaus erweitert und erhöht. Seitdem hat die Kirchen einen hohen, saalartigen Innenraum mit sehr sparsamer Stuckierung. Schwer gelitten hat das Kircheninnere durch eine radikale Umgestaltung 1882. Seit dieser Zeit zeigt sich das Innere zwar recht homogen in neobarockem Stil, kann jedoch gestalterisch nicht befriedigen. Auch ist der Verlust der originalen Ausstattung, einschließlich der barocken Altäre, noch immer sehr schmerzhaft.
Die Kirche ist dreiseits umgeben von einem ummauerten Friedhof, der bis heute in Benutzung ist.
Pfarrhaus
In schöner freier Lage steht westlich der Kirche, nur durch einen schmalen Spalt von ihr getrennt, das 1868 gebaute Pfarrhaus, das Anfang der 1990er Jahre, in schlechtem Zustand, durch eine umfassende Generalsanierung eben noch vor dem Abriss bewahrt wurde. Der Form nach, auf quadratischem Grundriss zweigeschossig gebaut und von einem flachen, allseitigen Walmdach gedecktem Dach, erscheint es wie eine Frühform der in unseren Neubaugebieten – auch in Stoffenried – vorkommenden „Toskanavillen“. Kurz nach der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in Bayern, das sich inzwischen von der Not der Napoleonischen Zeit erholt und durch eine aufkeimende Industrialisierung ökonomisch stabilisiert hatte, zahlreiche Pfarrhöfe neu aufgebaut. so u.a. auch in Stoffenrieds Nachbarorten Hausen und Oberwiesenbach. Während diese in der Formensprache des frühen 19. Jahrhunderts, in spätklassizistischer Gestaltung erstellt wurden, ist Stoffenrieds Pfarrhaus im sogenannten Maximilianstil gestaltet, mit auffälligen Segmentbogenfenstern und einer üppigen Putzgliederung anstelle einer schlichten, eck- und simsbetonenden, spätklassizistischen Gestaltung. Fast wie ein Wachgebäude steht das Pfarrhaus direkt am Friedhofseingang und Kirchenzugang, der Pfarrherr hatte freien Blick über den Dorfweiher und hinaus auf Felder, Wiesen und Wald.
